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Ankunft in Hongqiao

 

 

Ankunft in Hongqiao

 

„Ladies and Gentlemen, we are soon arriving at Shanghai Hong Qiao International Airport“, als ich das aus dem Lautsprecher hörte konnte ich es kaum glauben, der zwölf Stundenflug war zu Ende. Gleichzeitig hieß das aber nun auch, dass ich in wenigen Minuten in meiner neuen Heimat ankommen sollte. Als ich aus dem Fenster sah, konnte ich überall bunte Lichter sehen. Und das soll also mein neues Zuhause sein.
Noch einmal schloss ich kurz meine Augen. Vor meinem Abflug aus Deutschland hatte es Tränen gegeben. Meine Eltern waren da gewesen und natürlich auch ein paar meiner besten Freunde. „Vergiss uns nicht!“, hatten sie zum Abschied gerufen. Ich würde sie sehr vermissen.
Meine Mutter hatte mir extra noch einen Kuchen gebacken. Man hatte in ihren Augen sehen können, dass sie traurig gewesen war, auch wenn sie es nicht hatte zugeben wollen.
„Was hast du denn, es ist doch nur für ein halbes Jahr!“ Aber ein halbes Jahr konnte sehr lange sein.
„Ja, ich weiß, genieß es und pass auf dich auf!“, waren ihre letzten Worte gewesen.
Plötzlich wurde ich jäh aus meinen Tagträumen gerissen, als das Flugzeug unsanft aufsetzte.
Ich suchte hastig mein Handgepäck zusammen und folgte dem Menschenstrom aus dem Flugzeug und durch den Flughafen. Schon war ich an der Zollkontrolle, der Beamte schaute meinen Pass misstrauisch an, sagte etwas Unverständliches, das wohl heißen sollte, dass ich weitergehen konnte. Sogar eine ganz normale Sache wie die Gepäckausgabe erschien mir unverständlich. So, jetzt aber heraus aus dem Flughafen.
Vor Abflug hatte man mir gesagt, dass am Flughafen jemanden gebe, der mich abholen sollte, wie sollte man ihn hier bloß finden. Alle Menschen sahen sehr ähnlich aus. Am Ausgang standen viele Leute, die meisten von ihnen trugen Schilder, zum größten Teil auf Chinesisch, die waren es schon einmal nicht. Also, weiter sehen. Ein paar Hotelangestellte, die Ausländer abholen sollten. Plötzlich sprach mich jemand von links auf Englisch an:
„Suchen Sie ein Hotel?“
„Nein, Entschuldigung.“
Es sah so aus, als ob niemand auf mich wartete, na ja vielleicht hatte er sich einfach nur verspätet, kann ja passieren.
Schon fast eine Stunde ist vergangen, was ist denn bloß los? Die haben mich wohl vergessen. Vielleicht sollte ich einmal bei der Nummer anrufen, die man mir gegeben hatte.
„Guten Tag, ich bin der neue Lehrer, der heute am Flughafen ankommt. Ich habe schon nach dem Taxifahrer gesucht, konnte ihn aber leider nicht finden.“
„Wie lange warten Sie denn schon?“, fragte meine Zukünftige Chefin.
„Schon seit fast einer Stunde.“
„Oh, das tut mir aber leid; an welchen Flughafen sind Sie denn jetzt eigentlich?“
„Hong Qiao International Airport.“
„Oh, nein,“ kam die entsetzte Antwort, „das ist ja der falsche Flughafen!“
„Was soll jetzt machen?“, meinte ich.
„Gehen Sie zu einem Taxifahrer und geben Sie ihn mir. Ich werde ihm dann erklären, wohin Sie möchte.“
Na, das fängt ja schon einmal gut an. Bepackt mit Rucksack, Tasche und Koffer machte ich mich auf die Suche nach einem Taxifahrer. Kurz danach hatte ich auch schon einen gefunden. Ich gab ihm mein Handy und meine Chefin erklärte ihm, wohin ich wollte. Als der Fahrer alles verstanden hatte gab er mir das Telefon zurück.
„Ich habe dem Taxifahrer alles erklärt, er wird Sie zur Universität bringen. Gute Nacht.“
„Gute Nacht.“
Der Taxifahrer nahm meine Sachen, legte sie in den Kofferraum und los ging die Fahrt. Im Radio lief chinesische Musik. Alles klang und schien für mich so neu und unbekannt.
Der Taxifahrer sprach mit mir, aber ich konnte nichts verstehen, seine Stimme wurde für mich eins mit der Musik, dem Verkehr, den vielen großen Häusern, den Menschen.
Gleich nach dem Flughafen fuhren wir auf die Hochstraße. So etwas hatte ich zu Hause nie gesehen. Wir fuhren wohl auf derselben Höhe, auf der sich normalerweise der dritte oder vierte Stock befindet. Die Hochhäuser flogen an uns vorbei. Manche wie tote schwarze Monster, manche hell beleuchtet, manche mit blauen, grünen oder pinken Lichtern übersät, aber eines hatten alle gemeinsam, sie waren groß und für mich ungewohnt.
Ich blickte auf den Tachometer, wir fuhren sehr schnell. Es schien beinahe wie in einem dieser Computerspiele. Ein Auto raste mit vielen anderen Wagen über eine unbekannte Piste. Links und rechts huschten die Häuser als eine Art schwarze Kulisse vorbei.
Kann man sich hier, in so einer Stadt, wirklich zu Hause fühlen oder würde ich für immer alleine bleiben? Wie sind die Menschen in dieser Stadt. Wie würde das Leben in dieser Stadt sein? In der Nacht sah alles so dunkel, steril und bizarr aus. Ich hatte immer gehört, dass China ein sehr quirrliges Land sei, aber beim Anblick dieses Dschungels aus Hochhäusern kamen mir so meine Zweifel.
Nun rasten wir plötzlich auf ein schwarzes Nichts zu, an dessen anderem Ende eine glitzernde Skyline lag. Dort konnte ich den berühmte Fernsehturm und eine Hochhäuser sehen. Auf zwei von ihnen konnte man sogar gigantische Fernseher entdecken, auf den überdimensionale Fische schwammen. War dies das Zentrum. Noch bevor ich mich an diesen Anblick gewöhnen konnte, drehte das Taxi auf einmal stark nach links und wir verliesen die Hochstraße, um in das normale Verkehrsgewimmel einzutauchen.
Plötzlich waren die Straßen voller Leute, Busse und Taxis. Jetzt hatte ich wohl das China gefunden, das ich mir immer vorgestellt hatte. Laut, chaotisch und vor allem voller Menschen – wohin man blickte überall bewegte sich etwas. Weiter ging die Fahrt, die Häuser wurden langsam etwas kleiner, wenn auch noch immer meist über fünfzehn Stockwerke, hier schien alles ein bisschen älter und weniger modern zu sein. Das Taxi raste weiter. Nun fuhren wir auf einer vierspurigen Hauptstraße entlang. Die modernen, glitzenden Fassaden hatten längst einfacheren Wohnblocks Platz gemacht.
Plötzlich bog das Taxi in eine Einfahrt. Der Fahrer sagte etwas auf Chinesisch zu mir, das wohl so etwas wie: „Wir sind da!“ bedeuten sollte. Aber wo war ich denn hier eigentlich? Das sah nicht wie eine Wohnung aus. Wir waren wohl gerade durch das Tor der Universität gefahren. Der Fahrer wollte nun wohl wissen, wohin genau, aber das konnte ich ihm leider auch nicht sagen. Wir fuhren also planlos über den Campus.
Endlich entdeckte ich vertraute Gesichter. Dort war eine Gruppe Afrikaner. Ich rief: „Stop!“ die können mich sicher verstehen, vielleicht wissen sie sogar, wohin ich möchte.
„Hallo,“ rief ich auf Französisch aus dem Auto. „Könnt ihr mir bitte weiterhelfen? Wisst ihr wo die ausländischen Lehrer wohnen?“
„Na, die wohnen doch außerhalb der Uni,“ meinte einer zu einem anderen.
„Könnte bitte einer dem Taxifahrer erklären, wo das ist.“
Einer aus der Gruppe tat dies dann auch sofort. Der Fahrer nickte.
„Merci beaucoup.“
Und weiter ging die Fahrt. So verließen wir die Uni also wieder. Der Taxifahrer blickte etwas verwirrt; jetzt ging es ihm ein bisschen wie mir. Er hatte wohl überhaupt nichts verstanden. Wir verließen die Universität wieder, dieses Mal durch ein anderes Tor, als durch das wir gekommen waren.
Das musste es wohl sein. In großen goldenen Lettern konnte man an der Einfahrt lesen: Willkommen im Hotel der Universität! Na, dann bin ich ja mal gespannt, was hier auf mich wartet.
Glücklich das Hotel gefunden zu haben, freute ich mich auf ein Bett. Der Flug war doch viel anstrengender gewesen, als ich gedacht hatte. Endlich schlafen!
Total müde öffnete ich die Tür meines Zimmers, aber was war das? Das sollte meine Wohnung  sein. Von wegen eine Wohnung; es war ein ganz kleines Hotelzimmer. Es schien einigermaßen sauber zu sein, aber das war auch so ziemlich das einzig gute an diesem Zimmer. Erschöpft legte ich mich auf das Bett. Das Bett ist aber schon ein bisschen klein, dachte ich so bei mir, am besten sehe ich etwas fern und schlafe dann. Etwas enttäuscht packte ich den Kuchen aus, den mir meiner Mutter zum Abschied  gegeben hatte, aß ein Stück und sah mich um. Der ganze Raum war eine einzige Fehlkonstruktion. Der Fernseher stand auf einem Schrank am Fußende meines Bettes. Wie soll man denn da fernsehen. Man konnte sich verrenken, wie man wollte. Es war zwecklos. Dann eben kein Fernsehen.
In meinem Rucksack fand ich ein paar Kekse – oder besser Brösel. Was für ein Chaos: Hochhäuser und Lichter; Taxifahrer, die die Stadt nicht kennen; fremde Menschen, die ich nicht verstehe; Hotelzimmer so groß wie Abstellkammern. Wow! Irgendwann muss ich dann eingeschlafen sein. Meine erste Nacht.

 

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