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Im Nachtrestaurant

 

 

Im Nachtrestaurant

 

„Hast du auch langsam wieder ein bisschen Hunger?“, meinte Poonam.
„Ja, irgendwie schon.“
„Wie wäre es mit einem mitternächtlichen Mahl?“
Leichter gesagt, als getan.
„Gerne, aber wo?“
So beschlossen wir den ‚original bayerischen Biergarten’ zu verlassen und uns auf die Suche nach einem vernünftigen Restaurant zu machen. In der großen Fußgängerzone, in der wir bis jetzt waren, gab es jetzt weitem weniger Menschen. Viele schienen schon nach Hause gegangen zu sein, obwohl es gerade erst einmal Mitternacht war.
„Hier sieht es nicht so viel versprechend aus, vielleicht versuchen wir es mal in einer der Seitenstraßen.“, meinte ich.
Also bogen wir ab, alles schien geschlossen zu sein. Langsam bekam wirklich ich großen Hunger. Die Straßen in dieser Gegend schienen verlassen, es war ziemlich ruhig. Könnte man hier ein Restaurant finden? Wir gingen weiter.
Nach ein paar Minuten überquerten wir eine größere Straße. Und da, etwas versteckt fiel Licht auf die Straße. Wir blickten uns an.
„Vielleicht ist das ja was? Was meinst du?“
„Versuchen wir’s mal.“
Jetzt war es schon fast ein Uhr morgens, ob es hier noch etwas zu essen gäbe? Wir traten ein und wurden sofort von einem freundlichen „Willkommen!“ begrüßt. Zumindest war es noch nicht geschlossen.
„Setzen wir uns doch ans Fenster.“
„Ja, gerne, das ist privater,“ meinte Poonam.
„Was nehmen wir denn?“
„Tja, kannst du etwas lesen?“
„Nicht wirklich,“ sagte ich, „nehmen wir doch einfach etwas von jeder Seite.“
Gesagt, getan. Die Überraschung war groß, als uns die Dinge aufgetischt wurden.
„Oh, was haben wir denn da alles bestellt? Sieht lecker aus, aber was ist das denn?“
Unser Tisch oder besser gesagt das, was auf ihm lag, sah ziemlich exotisch aus. Wir hatte wohl dreimal Fleisch bestellt; Hühnerbeine in oranger Soße, ein recht helles Fleisch, das war dann wohl Hühnchen mit Erdnüssen, außerdem Schwein mit Sesam. Dazu wurden uns rohe Gurken und Rührei serviert. Super, davon würden wir sicher satt, falls wir überlebten.
„Okay, los geht’s.“
„Guten Appetit!“
Wir wollten gerade mit dem Essen beginnen, als uns noch ein schwabbeliger Käse gebracht wurde.
„Ich dachte, die essen hier keinen Käse, hatte ich irgendwo gelesen,“ meinte ich.
„Dachte ich auch.“
„Na, dann testen wir den doch mal gleich als erstes.“
Poonam nahm ihr Porzellanlöffelchen, bediente sich ein wenig von der Masse und... „Du auch! Wenn, dann müssen beide sterben. Sonst ist es unfair.“
Also nahm auch ich vorsichtig etwas von der Masse.
„Eins, zwei, drei.“
„Mmm, lecker, aber das ist kein Käse, meinte ich, eher Tofu.“
„Vielleicht, aber trotzdem lecker.“
„Ich dachte immer Tofu sei fester. Wieder etwas Neues gelernt.“
„Um ehrlich zu sein, mir schmeckt alles.“
Langsam aßen wir uns durch die Leckereien. Alle Gerichte schienen wirklich vorzüglich zu sein. Langsam kam in mir immer mehr der Gedanke auf, dass ich mich hier wirklich wohlfühlen könnte. Irgendwann würde ich mich wahrscheinlich nicht nur an das Essen gewöhnen, sondern an das ganze Land. An das Land mit seinen seltsamen Sitten und seinen mindestens genauso seltsamen Menschen.
Noch in Gedanken versunken nahm ich mit meinen Stäbchen eine Erdnuss aus einer der Schüsseln und ... plopp!, flog sie auch schon in einem hohen Bogen über den Tisch, knapp an Poonam vorbei und landete auf dem Boden.
Beide fingen an, schallend zu lachen.
„Haha, du kannst nicht essen!“ lachte Poonam.
„Versuch’s doch auch mal! Nimm eine Erdnuss mit diesen doofen Stäbchen.“
Sie versuchte es. Gegen sie war ich richtig gut gewesen. Sie konnte keine einzige Nuss auch nur hochheben.
„Gar nicht so einfach!“
„Jetzt weiß ich, warum die Leute hier so schlank sind. Sie brauchen Stunden für dieselbe Menge an Nahrung, für die wir nur ein paar Minuten brauchen.“
Kaum hatte sie den Satz zu Ende gesprochen, da entdeckten wir auf der Straße einen enorm dicken Mann.
„Ups, das der kann die Stäbchen wohl recht gut benutzen.“
Der Mann auf der Straße kam uns ziemlich komisch vor. Er lief mitten in der Nacht im Unterhemd über eine Straße, in der es immer noch eine ganze Menge Menschen gab. Dabei rauchte er genüsslich eine Zigarette.
„Ich dachte, wir seien hier im Stadtzentrum!“
„Dachte ich auch.“
„Andere Länder, andere Sitten!“
Entschieden, die Schlacht gegen die Erdnüsse zu gewinnen, nahmen wir unsere Porzellanlöffel und aßen.
Mittlerweile war es schon ein bisschen spät geworden und wir waren mehr und mehr satt. Wir hatten einfach zu viel bestellt. Satt und glücklich lehnte ich mich zurück.
„Es ist schon ein bisschen spät, findest du nicht...“, meinte Poonam als sich gerade eine sehr seltsame Gesellschaft in unserem Restaurant einstellte.
Wow! Was war das? Rockstars? Oder so etwas. Eine Gruppe von ungefähr fünfzehn ziemlich ausgeflippten Jugendlichen kam in das Restaurant gestürmt und ließ sich lärmend neben uns nieder.
Die Gruppe war, so vermutete ich gleich, irgendwie berühmt.
Irgendwie hatte ich mir Chinesen immer anders vorgestellt. Einheitlicher, im Blaumann, oder so, dachte ich. Was wir hier zu sehen bekamen entsprach dem aber so gar nicht. Die Leute schienen wohl den halben Tag beim Friseur verbracht zu haben. Sie trugen die verrücktesten Frisuren, die ich seit langer Zeit gesehen hatte. Die Kleidung war auch alles andere als das, was man sich in Europa so unter chinesischem Einheitslook vorstellte. Sie rangiert eher unter der Kategorie supermodern! Kaum jemand, den ich zu Hause kannte, würde (und vielleicht konnte) sich so anziehen. Während in Europa in Sachen Mode eher langweiliges Grau vorherrschte, schien hier in China der Frühling gerade angefangen zu haben. Auf alle Fälle trugen alle, fast ausnahmslos, bunte, schrille Klamotten. Der Einheitsstil schien schon seit langer Zeit passé zu sein. Irgendwie schien dies auch gut zu sein.

 

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