Das Spanische in Amerika - German Grammar - Deutsche Grammatik

  

Das Spanische in Amerika

 

Inhalt:

1.       Einleitung                                                                                                                         
2.       Theorien zu den Ursachen der Sonderentwicklung                                                          
2.1     Die autochthonen Sprachen                                                                                             
2.2     Andere Sprachen                                                                                                               
2.3     Kreolsprachen                                                                                                                  
3.       Amerikanismus                                                                                                                 
4.       Probleme der Dialektklassifikation                                                                                  
4.1     Juan Ignacio de Armas y Céspedes                                                                                   
4.2     Pedro Henríquez Ureña                                                                                                    
4.3     Lincoln Canfield                                                                                                               
4.4     José Pedro Rona                                                                                                               
4.4.1  Der Yeísmo                                                                                                                     
4.4.2  Der Žeísmo                                                                                                                     
4.4.3  Der Voseo                                                                                                                       
4.5     Juan Clemente Zamora Munné                                                                                      
4.5.1  Die Aussprache von /s/ und ihre Realisierung                                                               
4.5.2  Die Realisierung von /x/                                                                                                
4.5.3  Die Ergebnisse                                                                                                                
4.6     Philippe Cahuzac                                                                                                           
4.7     Resümee der Theorien                                                                                                    
5.       Schlußbemerkung                                                                                                          
6.       Bibliographie                                                                                                                  

 

 

Das Spanische in Amerika war im Laufe der Jahrhunderte vielen Einflüssen ausgesetzt. Zum einen hatte es Kontakt mit den Sprachen der Urbevölkerung, zum anderen auch mit anderen europäischen Sprachen, die Einwanderer mitbrachten oder in benachbarten Ländern gesprochen werden. Zu diesen Kontakten kamen Neuerungen, die in Amerika selbst entstanden. Auf diese Weise bildeten sich in allen Teilen des spanischsprachigen Amerikas Zonen heraus in denen die eine oder andere Form vorkommt, in anderen Zonen sind diese Formen teilweise völlig unbekannt. In dieser Arbeit soll nun auf Kontaktsprachen, besondere sprachliche Phänomene und eine mögliche Gliederung des spanischen Sprachraumes in Amerika eingegangen werden. 

 

 

Das amerikanische Spanisch hat vor allem mit vier indianischen Sprachen Kontakt. Dies sind Guaraní (3,2 Mio. Sprecher), Quechua (7,8 Mio. Sprecher/Dietrich 1998), Aymará (1,2-2,5 Mio. Sprecher) und Caribe.
Da das Spanische immer einen sozial gesehen höheren Standpunkt hatte, kann man sagen, daß der gegenseitige Einfluß weniger ein gegenseitiger, als als ein einseitiger bezeichnet werden kann, und zwar in dem Maße, daß das Spanische vor allem die Indiosprachen beeinflußt. In der Gegenrichtung war die Beeinflussung eher gering. Dennoch soll hier genau der Beeinflussung des Spanischen durch die autochthonen Sprachen ein Kapitel gewidmet werden.    
Das Guaraní wird in Paraguay von gut der Hälfte der Bevölkerung gesprochen; die Amtssprache des südamerikanischen Landes ist jedoch Spanisch. (In neueren Publikationen wird jedoch auch Guaraní als offizielle Sprache genannt.) Man kann in diesem Land von einer diaphasischen Trennung der Verwendungsbereiche sprechen. Das Guaraní gilt als die Sprache des häuslichen Gebrauchs, während das Spanische – dies wird ja auch durch den Status der Amtssprache deutlich – ganz eindeutig die Stellung der Verkehrssprache einnimmt. In diesem Land kann man also von einer Diglossiesituation – unter Diglossiesituation wird eine Situation verstanden, in der zwei Sprachen in verschiedenen Geltungsbereichen verwendet werden – sprechen. Abgesehen, aber mit weniger gesellschaftlichem Prestige, ist Guaraní von der Atlantikküste in Französisch Guyana bis Nordargentinien verbreitet.
Laut einer Volkszählung aus dem Jahre 1960 sprechen 40% der peruanischen Bevölkerung nur Quechua oder Aymará. In Peru, wie auch anderen Ländern Hispanoamerikas, ist Spanisch die Sprache einer sozial höher angesetzten Bevölkerungsschicht. Obwohl Quechua neben dem Spanischen eine der beiden offiziellen Sprachen des Andenstaates ist, wird die eigene indianische Muttersprache meist zu Gunsten der spanischen Sprache aufgegeben, sobald die Indiobevölkerung ihren ursprünglichen Siedlungsort verläßt, um in die Stadt zu ziehen,  oder sozial aufsteigt.   
Weitere autochthone Sprachen sind das Aymará – Peru und Bolivien – und das Caribe in Venezuela und Guyana.
Das Nahuatl (1,2 Mio. Sprecher) in Mexiko hat zwar wie Aymará und Caribe keine offiziellen Status ist aber in Mexiko weit verbreitet.
Um zu einem Resümee über die autochthonen Sprachen in Amerika zu kommen, kann gesagt werden, daß diese im allgemeinen neben dem Spanischen existieren, aber es in seinem Art kaum beeinflussen. Die autochthonen Sprachen haben zum Spanischen vor allem im Bereich der Lexik einen gewissen Eindruck hinterlassen, in anderen Bereichen kann kaum ein größerer Einfluß der Indiosprachen festgestellt werden.

 

Wie auch in den USA kam es in den meisten Staaten des spanischsprachigen Amerika zu einer verschieden starken Einwanderung der unterschiedlichsten Gruppen. Diese Einwanderer kamen zu einem großen Teil aus Ländern, deren Muttersprache nicht das Spanische war. Die wohl bekannteste Gruppe nicht-spanischsprachiger Einwanderer war die der Italiener. Die Italiener siedelten sich vor allem rund um den Rio de la Plata an, d.h. vor allem im heutigen Argentinien.
Das von den Italienern geprägt Spanisch wird mit dem Begriff Lunfardo bezeichnet, das wohl vom italienischen lombardo für lombardisch stammt. „Eine lexikalische Besonderheit des bonaerenischen Argots sind die vielen Entlehnungen aus dem Italienische.“ (Kubarth, 176) Die Italiener haben, wie in vielen Teilen der Welt, die Kochkunst stark beeinflußt; das italienische gnocchi erscheint somit als ñoquis, die grisini als grisines und mangiare als manyar, was im sonstigen Spanisch ja comer heißt. Durch die starke Präsenz italienischsprachiger Menschen fand auf jeden Fall eine starke gegenseitige Beeinflussung der Sprachen statt. 
Ein weiterer interessanter Sprachkontakt fand im uruguayisch-brasilianischen Grenzgebiet statt. Hier trafen das Spanische und das Portugiesische aufeinander. Kubarth schreibt dazu: „Die dort gesprochenen Mischsprachen stellen den Einzelfall einer Kreolisierung europäischer Sprachen dar.“ (Kubarth, 54) In diesem Bereich kann man somit von einer Vermischung der beiden Sprachen sprechen, außerdem werden sowohl die eine als auch die andere auf beiden Seiten der Grenze verstanden.
Weitere Kontakte mit vor allem europäischen Sprachen können mit dem Englischen, dem Französischen aber auch mit afrikanischen Sprachen konstatiert werden.

 

Im Gegensatz zu Englisch, Französisch und Portugiesisch war das Spanische sehr selten die Ausgangsbasis für eine Kreolsprache. Kubarth schreibt hierzu:
„Nur das „Papiamento“ von Curacao ist näher erforscht; es gilt meist als einzige „spanische“ Kreolsprache, obwohl es eine portugiesischen Basis mit spanischen, holländischen und afrikanischen Elementen verbindet.“ (Kubarth, 55)
In anderen Ländern, so schreibt er, seien nur noch Reste solcher Kreolsprachen vorhanden. Zu diesen Ländern gehören Kolumbien, Panama und Ecuador.
Der hohe soziale Status der spanischen Sprache bremst im allgemeinen den Zufluß fremdsprachlicher Einheiten und damit natürlich das Entstehen und Bestehen von Kreolsprachen.  

 

Das Spanische in Amerika unterscheidet sich von dem in Europa in einige Punkten. Diese speziellen Merkmale könnte man mit dem Begriff Amerikanismus bezeichnen.
Der Terminus Amerikanismus kann nun verschiedenartig definiert werden. Der Amerikanismus läßt sich als sprachliche Form beschreiben, die im Kontrast zum historisch referentiellen Standard des Kastilischen steht und einem Teil des amerikanischen Sprachgebiets nach Gebrauch oder Herkunft zuzuordnen ist. Weiter könnte man den Amerikanismus auch wie folgt definieren: Amerikanismen sind sprachliche Gegebenheiten, die man Hispanoamerika benutzt, sie werden auf der iberischen Halbinsel nicht verwendet, teilweise aber auch nicht in allen Gebieten Amerikas.
Weiter kann man diesen Begriff dann noch genauer unterteilen; man spricht dann von einem engeren und einem weiteren Sinn.
Der Amerikanismus im engeren Sinn beinhaltet beispielsweise Begriffe wie Chilenismen oder Kolumbianismen, die sich auf das jeweilige Land beziehen. Im Gegensatz dazu kann man den Begriff des Amerikanismus im weiteren Sinn unterscheiden. Er bezeichnet Phänomene, die man über ein bestimmtes Land hinaus finden kann.
Juan Valera führt eine etwas andere Definition an; für ihn sind Amerikanismen all die Phänomene, mit denen man synonymisch einen Begriff durch einen anderen ersetzen kann.     

 

Das amerikanische Spanisch unterscheidet sich vom Spanischen der iberischen Halbinsel aus den verschiedensten Gründen. Im Laufe der Geschichte kam es mit vielen Sprachen in Kontakt, die alle ihren Eindruck hinterließen. Hier sollen nun verschiedene Versuche der dialektalen Klassifikation des amerikanischen Spanisch dargestellt werden.
Die diatopischen oder auch regionalen Gliederungen führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die liegt daran, daß die Ergebnisse immer von den eingebrachten Kriterien abhängen. Zur Unterscheidung dialektaler Unterschiede können beispielsweise Kriterien aus verschiedenen Bereichen, wie der Phonetik, der Lexik oder der Morphsyntax, herangezogen werden.
Zur Abgrenzung der verschiedenen Realisationen eines Phänomens sowie verschiedener Phänomene werden die sogenannte Isoglossen verwendet. Isoglossen sind Grenzlinie zwischen Sprachphänomenen. Treffen viele Isoglossen aufeinander, so kann man Dialektgrenzen sprechen.
Bevor nun auf die einzelnen Theorien zur Gliederung der Dialektgebiete im spanischsprachigen Amerika übergegangen wird, soll eine erste diatopische Großgliederung vorgenommen werden. Grob kann man von zwei Gebieten sprechen, den tierras altas, d.h. den Hochlandgebieten, und den tierras bajas, d.h. den Tieflandgebieten. Diese Gliederung ergibt sich aus der phonetischen Beschreibung und geht auf die Tatsache zurück, daß die Tieflandgebiete, im Gegensatz zu den Hochlandgebieten, einen regeren Austausch mit anderen spanischsprachigen Regionen Amerikas und der iberischen Halbinsel hatten. Dieser Kontakt brachte im Laufe der Zeit neue Phänomene ins Land, während dies in den tierras altas nicht oder nur in geringen Maße der Fall war, da sie schon, wie der Name sagt, oft abgelegen sind und daher weniger Zugang zur Außenwelt haben.
Im folgenden sollen jetzt sechs Theorien vorgestellt werden, mit denen versucht wurde eine dialektale Gliederung vorzunehmen. Die Verfasser dieser Theorien bedienten sich selbstgewählter Kriterien, auf Grund derer sie versuchten zonale Einteilungen vorzunehmen. Dabei besteht die Schwierigkeit eine repräsentative Lösung zu finden, aber auch die Gefahr zu viele Details anführen zu wollen.      

 

Armas y Céspedes kommt zu einer Vierteilung amerikanischen Sprachgebietes. In seinem Buch Orígenes del lenguaje criollo widmet er einige Seiten dieser Untergliederung der spanischen Sprache. Seine Einteilung erfolgt in die Bereiche Caribe (Criollo), Pacífico, Buenos Aires und México y Centroamérica.
Zone 1, Caribe, sind für ihn die Antillen, Kolumbien, Venezuela sowie Panama und kleinere Gebiete in Mittelamerika.
Zone 2, Pacífico, ist für ihn das Gebiet entlang der gesamten südamerikanischen Pazifikküste, sprich die heutigen Staaten Ecuador, Peru, Bolivien und Chile.
Zone 3, Buenos Aires, womit der La Plata-Raum gemeint ist – Argentinien, Uruguay und Paraguay.
Zone 4,  México y Centroamérica, beinhaltet, wie schon die Bezeichnung besagt, mit einigen Ausnahmen den Raum von Mexiko bis Costa Rica.
An Armas y Céspedes ist zu kritisieren, daß er keinerlei Kriterien für seine Unterteilung aufgestellt hat.

 

Die erste systematische diatopische Gliederung des amerikanischen Spanisch nahm Pedro Henríquez Ureña vor. Er unterteilte den Sprachraum in fünf Zonen, wobei er sich auf die historisch und kulturell bedingten Bindungen innerhalb jeder Zone, unter Verweis auf den Kontakt mit den indianischen Substratsprachen, stützte. Unter einem Substrat versteht man eine besondere Form des historischen Sprachkontakts, der darin besteht, daß eine in einer bestimmten Gegend autochthone Bevölkerung die Sprache eines Eroberungsvolkes, meist aus Gründen des größeren Prestiges dieser neuen Sprache, annimmt und nach einer Epoche der Zweisprachigkeit die einige, als historische Schicht  unter der neuen liegenden Sprache, eben als Substrat aufgibt. Dennoch hat die Substratsprache Wirkung auf die „neue“ Sprache.
Zudem führt Henríquez Ureña weitere Kriterien an. Dies bezeichnet er mit: diverisdad de clima, Klimaunterschieden, diversidad de población, Bevölkerungsunterschieden, und verschiedenen Stufen der Kultur und der Isolation.

 
Er unterscheidet daraufhin folgende Zonen:

Die Schwächen dieser Klassifizierung liegen im Bezug auf fehlende sprachliche Merkmale, die sich im Prinzip als Ergebnis der implizierten Faktoren darstellen müssen. Eine wirkliche Einflußnahme der Substrateinflüsse der angegebenen autochthonen Sprachen wäre im Übrigen noch nachzuweisen, denn zum einen gibt es viel mehr dieser autochthonen Sprachen und zum anderen stimmen die Verbreitungsgebiete mit den eben behauptete Zonen nicht immer überein. Wie schon weiter oben erwähnt, wird Guaraní im Süden Argentiniens nicht verwendet, wohingegen es in Henríquez Ureñas Zone 2 (hier etwa Ostvenezuela) vorkommt. Guaraní wird jedoch auch weiter nördlich bis Französisch Guayana gesprochen; weiter nördlich liegende Sprachgebiete werden jedoch vom Autor nicht als vom Guaraní beeinflußt aufgeführt.   

 

 

Einen wesentlichen Beitrag zur Kenntnis der regionalen Verbreitung der amerikanischen Charakteristika leistete Lincoln Canfield. Seine beiden Arbeiten heißen La pronuncición del espanol en América aus dem Jahre 1962 und Spanish Pronunciation in the Americas aus dem Jahre 1981. Er erstellt keine eigene diatopische Gliederung, weist aber darauf hin, daß die Merkmale weder mit den politischen Grenzen Hispanoamerikas, noch mit der Verbreitung der Indianersprachen übereinstimmen.
Im Gegensatz zu Henríquez Ureña stellt er vor allem die klare Unterteilung in Hochland- und Tiefland gebiete heraus, was er kartographisch belegt. In den tierras altas und den tierras bajas finden sich seiner Meinung nach zwei von einander zu unterscheidende Realisierungen des Andalucismo. Während er im einen Gebiet weniger stark ausgeprägt ist, so ist er es im anderen mehr. In den tierras bajas die am längsten mit Spanien Kontakt hatten, ist er am stärksten ausgeprägt. Unter Andaluzismus versteht man Phänomene wie das des Seseo statt des Zezeos oder die Verbreitung des Yeísmos. Diese beiden Phänomen sind weiter unten genauer erläutert.

José Pedro Ronas Gliederung basiert als erste auf sprachlichen Merkmalen, die aus den verschiedenen Kategorien stammen. Er bezieht sich dabei auf vier seiner Ansicht nach grundlegende Kriterien. Er wählte sie mit dem Argument aus, daß diese Isoglossen für seinen Zweck ausreichend bekannt seien.
Die vier Kriterien stammen aus vier verschiedenen linguistischen Bereichen, aus der Phonologie, der Phonetik, der Syntax und der Morphologie.
Er wählte folgende Phänomene aus: Yeísmo (phonologisch), Žeísmo (phonetisch-phonologisch), Voseo (syntaktisch) und die jeweils dazugehörenden Verbformen (morphologisch)

 

Unter Yeísmo versteht man das Zusammenfallen der beiden Phoneme /l/ und /j/, die sich sich dann als /j/ wiederfinden. In der Schreibung bedeutet das, daß sowohl <ll> als auch <y> gleich ausgesprochen werden. So folgt also:
Lluvia è [jubja]

 

„Die lateinamerikanische Linguistik spricht  bei den assibilierten Varianten von einer „Schleimhautvibration“, dem sogenannten „Rehilamiento“, oder auch von „Žeísmo“. Diese Begriffe sind allerdings dehnbar, denn sie umfassen die Laute [Ʒ], [dƷ], [ò], [tò]: „Denominamos Žeísmo [...] la realisación de cualquiera de estos fonemas o de ambos [= /j/, /l/], como fonos fricativos o africados palatales, sonoros o sordos.“ (Kubrath, 33)
Man kann also sagen, daß der Žeísmo einen Gegenpol zum Yeísmo darstellt. Die Distinktion zwischen /j/ und /l/ wird beim Žeísmo jedoch zugunsten von /3/ aufgehoben. Auf dieses Phänomen stößt man vor allem im sogenannten cono sur, also in Argentinien, Uruguay und Chile.

 

Der Voseo ist eine der wichtigsten lateinamerikanischen Erscheinungen im Bezug auf die Grammatik. Hierbei wird das Pronomen vos anstelle des Pronomens verwedet. Dies hat sowohl auf das Pronminalparadigma als auch auf die Konjugation Auswirkungen. Der Voseo hat seinem Ursprung im Altspanischen, in dem im vertrauteren, vos im respektvolleren Zusammenhang verwendet wurde.
Der Voseo hat sich aus der Form vos + dem Verb in der 2. Person Plural ohne Diphthong entwickelt, was zu den folgenden Formen führte:

Es gibt einen Voseo pronominal und einen Voseo verbal:

pronominal-verbal

vos cantás / vos bebés / vos dormís / vos sos

Argentinien, Kolumbien, Paraguay

pronominal

Vos cantas / vos bebes / vos duermes / vos eres

Ecuador, Bolivien

Verbal

Tú cantás, tú querés

Uruguay, Bolivien

Tú / vos / vosotros

Vos cantáis, vos bebéis, vos dormís

Chile, Panama

Der Voseo ist typisch für Länder wie Argentinien, Uruguay, Paraguay und Mittelamerika; der Tuteo, die Verwendung des Pronomens für Gebiete wie die Antillen, Mexiko, die kolumbianische Küste, Venzuela und Peru.
Rona unterteilt den Voseo bei seinen Untersuchungen jetzt wie folgt in vier Typen:

Durch die Unterscheidung zwischen Absenz [-] oder Präsenz [+] der drei Merkmale Yeísmo, Žeísmo und Voseo und der Ermittlung der vier Varianten des Voseos kommt Rona auf 16 verschiedene Zonen. Ferner erweitert er seine Einteilung durch sieben weitere Gebiete, die seiner Meinung stark vom Englischen, Portugiesischen oder dem Quechua beeinflußt sind. An dieser Unterteilung des spanischen Sprachraums in Amerika kann man sagen, daß Zonen, die weit von einander entfernt liegen, dieselben Merkmale aufweisen.  
Ronas Zonen lauten:

 1.  + - - -

Mexiko (ohne Chiapas, Tabasco, Yucatán, Quintana Roo), die Antillen, die Atlantikküste Venezuelas und Kolumbiens, Osten Panamas

 2.  + + + C

Mexiko: Chiapas, Tabasco, Yucatán, Quintana Roo; Westpanama

 3.  + - + C

Pazifikküste Kolumbiens, venozolanisches Binnenland

 4.  - - + C

Andenzone Kolumbiens

 5.  + + + C

Küste Ecuadors

 6.  - + + B

Hochland von Ecuador

 7.  + - - -

Küste von Peru (außer Süden)

 8.  - - - -

Andenzone Perus

 9.  + - + B

Süden Perus

10. - - + B

Nordchile, Nordwestargentinien, Südwestbolivien (Oruro, Potosí)

11. - - + C

Rest Boliviens

12. - + + C

Paraguay (ohne Concepción); Argentinien: Misiones, Corrientes, Formosa

13. + - + B

Zentralchile

14. - - + B

Südchile, ein Teil des argentinischen Patagoniens

15. + + + C

Ostargentinien; Uruguay (außer der Ostküste und dem Grenzbereich zu Brasilien)

16. + + - -

Ostküste Uruguays (zona ultraserrana)

Gebiete in denen andere Sprachen Einfluß ausübten:

17. + - - -

Neu-Mexiko und andere Gebiete der USA

18. + - - -

Kuba und Puerto Rico (ohne Ostkuba)

19. + + + C

Uruguay im Grenzgebiet zu Brasilien (zona frontariza) ohne das tacuaremborense

20. + + - -

Uruguay im Grenzgebiet zu Brasilien > das tacuaremborense

21. - + - -

Paraguay: Concepción

22. - + + C

Argentinien: Misiones > das caingusino

23. - - + D

Argentinien: Santiago del Estero

 

Zamora Munné legt bei seiner Untersuchung drei verschiedene Merkmale fest und kommt somit auf neun Zonen des amerikanischen Spanisch: Seine drei Distinktionsmermale sind die Realisierung bzw. die Nicht-Realisierung eines finalen /s/, die Realisierung von /x/ ([x] vs.[h] und der Voseo.

 

Bei diesem Phänomen gibt es zwei Möglichkeiten der Realisierung des /s/; zum einem findet sich ein [s], zum anderen eine aspirierte Variante. Diese zweite Variante findet man absoluten Auslaut, wie in las casas [laʰ kasaʰ], oder im Silbenauslaut wie in fantastico [fantaʰtiko].
Die Aspirierung von /s/ kann auch im An- oder Inlaut vorkommen, so z.B. in la semana [lahemána].
Teilweise verstummt das [s] in implosiver Stellung auch ganz.

 

Im Falle von /x/ bzw. geschrieben <j> und <g> gibt es zwei Möglichkeiten der Realisation, die eine ist [x], die andere ist [h]. Abweichend von der ersten Variante kommt es dann zu Realisierungen wie z.B.: mujer [muher], rojo [roho] oder Jorge [horhe].

 

Auf Grund der eben angeführten Unterscheidungsmerkmale kommt Zamora Munné zu, wie schon oben gesagt, neun zu unterscheidenden Bereichen. Er führt folgende Zeichen für die Präsenz (+), die Absenz (-) oder die Parallelität ein (±) ein.

 - - -

Die Antillen, die Ostküste Mexikos, Ostpanama, Nordküste Kolumbiens, Venezuela ohne Anden

 + + -

Mexiko (ohne Ostküste und Grenzgebiet zu Guatemala)

 - - +

Mittelamerika, Grenzgebiet zu Mexiko, Westpanama

 + - ±

Kolumbien (ohne Küste), Venezuela: Andenausläufer)

 - - ±

Pazifikküsten Kolumbiens und Ecuadors

 - - -

Küste Perus ohne Süden

 + + ±

Ecuador, Peru (ohne vorher genannte Gebiete), West- und Zentralbolivien, Nordwestargentinien

 - + ±

Chile

 - + +

Ostbolivien, Paraguay, Uruguay, Argentinien

Zamora Munné bietet bis heute die wohl beste Gliederung des amerikanischen Sprachgebiets des Spanischen. Er verwendet nur eine begrenzte, gut ausgewählte Anzahl an Kriterien und verliert sich so nicht in unnötigen Details.

 

Philippe Cahuzac entwarf ebenfalls 1980 eine Theorie, wie man die einzelnen südamerikanischen Spracherscheinungen gliedern könnte. Seine unkonventionelle Form der diatopischen Gliederung beruht allein auf einer lexikalischen Basis.
„Cahuzac utiliza para su propuesta el nivel léxico, porque es aquí donde hay una mayor vinculación entre lengua y vida cotidiana. La esfera semántica en la que se mueve es la agricultura: denominaciones del campesino, de las tierras cultivables y de los pastizales, de los trabajos agrícolas, de los instrumentos de labranza, de los tipos de habitación y de propriedad rurales y de los fenónemos atmosféricos.“ (Moreno Fernández, 34)  
Philippe Cahuzac bezieht sich bei seiner Untersuchung auf verschiedene Bezeichnungen für campesino, anhand dieses Wortes nimmt er seine Unterteilung vor.

Charro, llanero, guajiro, jíbaro, cimarronero

USA (Süden), Mexiko, die Antillen, Mittel-amerika, Venezuela, Kolumbien (ohne Anden), Küste Ecuadors

Chacarero, paisano

Venezuela (Anden), Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Nordchile, Nordwest-argentinien

Huaso, campanista

Chile (Rest)

Gaucho

Argentinien, Uruguay, Paraguay, Ost-bolivien

Obwohl die von Cahuzac vorgenommene Einteilung für das Wort campesino wohl zutreffend ist, kann man nicht davon ausgehen, daß dieses semantische Kriterium von großer Bedeutung sein kann. Sobald ein anderer Begriff gewählt wird können die Ergebnisse dazu völlig verschieden sein. Jedes Wortfeld würde wohl zu einem neuen Ergebnis führen.

4.7 Resümee der Theorien

Möchte man nun zu einem abschließenden Ergebnis der präsentieren Theorien kommen, so kann man sagen, daß die Kriterien so gewählt werden müssen, daß sie Phänomene aus allen Bereichen der Linguistik beinhalten, die im gesamten Sprachraum vorhanden sind. Man kann also sagen, daß Armas y Céspedes’ Theorie nicht von Bedeutung sein kann, da sie keine Kriterien enthält und damit willkürlich ist, die Schwäche an Henríquez Ureñas Theorie ist das Nicht-Übereinstimmen der ermittelten Zonen und der autochthonen Sprachen. Cahuzacs Feststellung scheidet aus, da sie sich auf rein semantische Gegebenheiten verläßt und für jedes Wortfeld zu einem neuen Ergebnis führt. Ronas und Zamora Munné liefern beide eine brauchbare Einteilung, wobei Zamora Munnés Gliederung vorzuziehen ist, da sie sich nicht so sehr im Detail verliert.  

 

Schlußbemerkung

Zum Abschluß kann man sagen, daß zwar eine Beeinflussung der spanischen Sprache durch die autochthonen Sprachen stattgefunden hat, diese sich aber nur auf einige wenige Bereiche beschränkt in denen das Spanische noch keine Bezeichnung für eine Gegebenheit besaß. Auf Grund des höheren Prestiges des Spanischen blieben sonst jedoch die Einflüsse eher gering. Auch die europäischen Sprachen führten zu keiner dialektalen Gliederung.
Dagegen kann der spanischsprachige Raum in Amerika durch andere Phänomene unterteilt werden. Dialektale Grenzen können anhand des Vorkommens von Gegebenheiten wie dem Yeísmo, dem Žeísmo, dem Voseo oder der Realisierung von /s/ und /x/ gezogen werden. Auf diese Art kann man den Sprachraum in neun bzw. sechzehn Zonen einteilen.
Am Schluß möchte ich sagen, daß es weder eine absolute Einteilung der dialektalen Gliederung eines Sprachraumes noch eine genaue Bestimmung der Einflüsse der einen auf eine andere Sprache geben kann, da Sprachen keine statischen Konstrukte sind, sondern sich immer in Bewegung befinden. 

Bibliographie

 

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