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Englische Präpositionen: Metaphorische Bedeutung, under, down, above, over, up

 

Englische Präpositionen: Abgrenzung von Konjunktionen, Adverben, Phrasal Verbs, Prepositional Verbs

Englische Präpositionen: lokal, temporal, kausal, Dimension, of

Englische Präpositionen: under, underneath, beneath, up-down, above, below, over

Englische Präpositionen: Zusammenfassung

 

6. Metaphorische Bedeutungen von Präpositionen

Metapher: Metaphern sind sprachliche Bilder, die auf einer Ähnlichkeitsbeziehung zwischen zwei Gegenständen bzw. Begriffen beruhen, d.h. aufgrund gleicher oder ähnlicher Bedeutungsmerkmale findet eine Bezeichnungsübertragung statt.“ (Bußmann 1990: 484)

Das folgende Zitat über Image schemas führt nun auf das Kapitel über die metaphorischen Bedeutungen der Präpositionen hin. Image schemas sind Relationen, wie `up-down´, `in-out´, `front-back´ oder `left-right´, d.h. Gegensatzpaare, die immer in Bezug zu einer Achse zu sehen sind.
„Image schemas which we employ to structure our physical experience are also used to structure abstract thought. Since those image schemas are groundly in physical, bodily experience, our so-called abstract reason has a bodily basis.“ (Boers 1996: 23)
Um abstrakte Denken zu strukturieren, verwendet man dieselben Begriff wie für die Struktur der physischen Erfahrung, sprich Präpositionen (; diese wurden in den vorhergehenden Kapiteln schon besprochen). Die Projizierung von Image schemas in abstrakte Gedanken wird hauptsächlich durch Metaphern vermittelt. Damit sind Metaphern eine wichtige Verbindung zwischen körperlicher Erfahrung und Abstraktem. Abstraktes Denken wird weitgehend von Metaphern bestimmt. Die Metapher ist als kognitiver Grundprozeß, der eine konkrete Quellenstruktur auf einer abstrakten Ebene darstellt. Metaphern gehören eher in den Bereich der literarischen Sprache. Metaphern machen es möglich abstrakte Dinge wahrzunehmen und über sie nachzudenken.
„Since certain metaphores are so deeply entrenched in everyday human thought, Lakoff & Johnson (1980) call these“metaphores we live by“. Elsewhere they have been called“conceptual metaphors.“ (Boers 1996: 24). Da diese Metaphern so sehr in unsere Gedanken und somit in unser Leben vorgedrungen sind, heißen sie „Metaphern, mit denen wir leben“ oder „konzeptuelle Metaphern“.

6.1. Vorder- und Hintergrund

Wenn wir ein Objekt in unserer Umgebung betrachten, dann heben wir das Objekt als auffälligste Figur (figure) von ihrem Hintergrund (ground) ab.
Das Prinzip der perceptional prominence gilt auch für die Sprache.
Es kommt darauf an, was der Betrachtende zuerst sieht, dies kann sich jedoch auch immer ändern. Man kann die beiden auf dem Bild abgebildeten Objekte nicht gleichzeitig sehen. Die figure scheint im Vordergrund zu liegen, sie hat Form, Kontur und Kohärenz. Der ground dagegen ist unstrukturiert, formlos und uniform. An die figure erinnert man sich leichter als an den ground. Das Prinzip der Prägnanz spielt eine wichtige Rolle, wenn man in einer visuellen Szene einem bestimmen Teil dieser Szene den Status der figure gibt.
Wie zu Beginn von 6. schon steht, werden Beziehungen, wie OVER-UNDER oder UP-DOWN als image schemas bezeichnet. Image schemas sind einfache kognitive Strukturen, die wir aus unserer täglichen Interaktion mit der Welt ableiten. Die figure-ground-Beziehung läßt sich weiter spezifizieren, und zwar durch die beiden Begriffe trajector und landmark. Der trajector ist die auffälligste, hervorstechenste figure in einer Beziehung. Die landmark ist eine weitere Einheit in dieser Beziehung, nämlich der ground. „The balloon is flying over the house.“ (Ungerer / Schmid 1996: 159) Der trajector bewegt sich entlang eines path. Dieses trajector-landmark-path-Modell dient der Beschreibung der Bedeutung einer Präposition; hier der Beschreibung des Überfliegens des Hauses.

 

6.1.1. Anwendungen des image schemas

Das image schema für out:

He goes out. Der trajector ist zunächst innerhalb der landmark (z.B. landmark = Zimmer), bewegt sich dann aber nach außen.

Das image schema für up:

He goes up the stairs. Der path des trajectors bewegt sich vertikal nach oben; die landmark ist hier nur in Bezug auf ihre vertikale Ausbreitung relevant.
Trajector, path und landmark können variieren. Solche Varianten, die bestimmte Komponenten eines Schemas spezifizieren, aber die generelle Konfiguration nicht verändern, heißen elaborations.

6.1.2. Metaphorische Extension

Immer wenn die Bedeutung einer Präposition vom central schema so weit abweicht, daß man sie nicht allein an Hand des central schemas beschreiben kann, sprechen wir von der Extension des Schemas. Neben basic level categories, dienen auch image schemas als Quellenmodelle für Metaphern. Die image schemas helfen dabei, abstrakte Kategorien und kognitive Modelle zu konzeptualisieren.
Die  oriental metaphors übertragen die räumliche Begrifflichkeit auf abstrakte kognitive Modelle. Z.B.: „CONTROL IS UP; [...] HEALTH AND LIFE ARE UP/SICKNESS AND DEATH ARE DOWN“ (Ungerer / Schmid 1996: 169)

6.2. Tote Metaphern

Nachdem die image schemas im Rahmen der Begrifflichkeit von Vorder- und Hintergrund angesprochen wurden, soll nun der Begriff der toten Metaphern eingeführt werden. Viele Metaphern sind mit der Zeit konventionell geworden. Man nennt sie frozen oder  dead; d.h. sie werden in einem ganz bestimmten Zusammenhang immer auf dieselbe Weise verwendet. Z.B. „under my care“ (Boers 1996: 25) Präposition under + Schützendes; dies wurde nun aber trotz Erstarrung der Phrase auf neue Begriffe ausgedehnt, wie z.B. „under diplomatic immunity/ under the NHS/ under licence“ (Boers 1996: 25) Wie eben gezeigt wurde, können die toten Metaphern schnell `wiederbelebt´ werden, indem dies durch eine genaue Erklärung passiert. Außerdem muß man in Betracht ziehen, daß manche Metaphern schwerer verständlich sind, andere dagegen leichter. Je schwerer man sich unter einem Begriff visuell ein Bild machen kann, desto schwerer kann es übertragen und wiederbelebt werden. 

6.3. Die Bedeutungen einiger Metaphern - ursprünglich und übertragen

6.3.1. UNDER

Für die Präposition under soll der Bereich der metaphorischen Bedeutung besonders stark ausgearbeitet werden. Die Präposition under bedeutet in ihrer räumlichen Grundbedeutung unter. Under wird vorwiegend, wenn im ursprünglichen Sinn, relativ zu einem Referenzpunkt gebraucht. Der trajector befindet sich bei under relativ zur landmark auf der UP-DOWN-Achse. Der Ort des trajectors ist definiert und eingeschränkt durch Ort und physikalische Ausbreitung der landmark. Der trajector befindet sich also in einem eingeschränkten Ort unterhalb einer horizontalen Achse.
Im metaphorischen Sinn kann die UP-DOWN-Achse wiederum angewendet werden. More is up, less is down (die folgenden Beispiele sind Boers 1996: 46 entnommen):
-räumlich: Farms of under 20 acres.
-zeitlich: A pint can be boild in under 3 minutes.
-Alter: Babies under a week old.
Für die ersten drei Beispiele gilt ganz klassisch less (or smaller) is down.
-Status: hoher Status ist UP, niedriger Status ist DOWN. Dieser Zusammenhang ist möglicherweise der Ursprung für Gesten und Körperhaltungen, die häufig mit dem Status assoziiert werden; außerdem fallen / fielen Körpergröße, Kraft und Status oft zusammen.
-Probleme/ Schicksale als Bürde: We operated under heavy stress. Ein Bürde lastet auf einer Person.
-Wahrnehmung: She studied it under a microscope.
-bildliche idioms: Under one’s nose. Jemand kann genau betrachtet werden. Dieses idiom stammt aus dem Bereich der Wahrnehmung.

Under in Beziehung mit Oberfläche als landmark: In diesem Fall wird die Oberfläche oder Deckfläche als landmark aufgefaßt, der trajector ist ein Punkt der unterhalb dieser Ober- oder Deckfläche liegt. „The cat is under the table.“ (Boers 1996: 51) Im übertragenen Sinn kann man weitere Zusammenhänge nennen:
„Truth is a hidden object“ (Boers 1996: 52) Unter der Oberfläche, der Lüge, der landmark liegt der trajector, die Wahrheit, verborgen.
„You’ re under arrest.“ (Boers 1996: 53) Das Objekt einer Kontrolle oder eines Zwanges zu sein, wird negativ aufgefaßt und hat daher einen niedrigeren Status, als frei zu sein; daher ist in diesem Fall die Präposition under angebracht. 
Ferner werden weitere Umstände im Zusammenhang mit under im metaphorischen Bereich  gebraucht:
- Verbote als Einschränkung unter ein gewisses Limit,
- Übertragungen, die mit Dokumenten im Zusammenhang stehen
z.B.: „The obligations under the contract“ (Boers 1996: 56),
- Das rotated schema: die landmark liegt hier zwischen dem Betrachter und dem
 trajector: „He carries a gun under his coat.“ (Boers 1996: 57) Diese Möglichkeit
kommt im Falle der Kleidung sehr häufig in Frage.

6.3.2. Underneath / Beneath

Underneath kommt im Allgemeinen nicht sehr häufig vor, es beschreibt normalerweise Beziehungen bzw. Kontakte zwischen zwei Begriffen, die sehr nahe untereinander stehen. „The ground underneath his bare feet felt moist.“ (Boers 1996: 61) Die Füße und der Boden darunter stehen in direktem Kontakt miteinander. 
Es gibt sehr wenige Ausdrücke, in denen underneath in einem übertragenen Sinn verwendet wird, wie z.B. „What is the truth underneath [under/] this false worship?“ (Boers 1996: 63) Die Wahrheit wird von einer falschen Gläubigkeit verdeckt, befindet sich somit also unter ihr. Underneath kann hier auch durch under ersetzt werden.
Beneath wird nur sehr selten benutzt und deshalb soll auf diese Präposition auch nicht näher eingegangen werden.

 

6.3.3. Down

Die Präposition down beschreibt eine Nachuntenbewegung. „He fell down from the roof.“ (Boers 1996: 79) In diesem Fall kann man sagen, daß ein Punkt am einen oder anderen Ende des Falltunnels als landmark bezeichnet werden soll, die vertikale Bewegung nach unten als trajector. Die Präposition down hat also etwas mit der Bewegung nach unten zu tun.
Das UP-DOWN-Schema kann natürlich auch hier wieder in den abstrakten Bereich übertragen werden, hier sind einige Beispiele:
Wörter und Ideen sind Objekte; und Wörter enthalten eine Bedeutung. Mit der Phrase to write it down kann man die hier in Frage kommende Idee gut beschreiben. Wenn man schreibt, ist der Kopf über das Papier gebeugt. Die Wörter sind die Objekte, die die Bedeutung beinhalten (Container-Schema). Dadurch, daß die Ideen auf dem Papier festgehalten werden, werden sie stabilisiert. Man kann hier, wie dies Boers auch tut behaupten: FLEXIBILITY IS UP; STABILITY IS DOWN. Down wird also allein schon deshalb verwendet, da somit die Stabilität aufgezeigt werden kann.
Der Ausdruck, die Waffen niederlegen (lay down the weapons) ist so zu erklären, daß man Werkzeuge, die man nicht mehr benutzt ebenfalls nieder- bzw. hinlegt. Wenn man etwas niederlegt, benutzt man es nicht mehr. Niedergelegte Waffen sind also Waffen, die man nicht mehr benutzt.
Eine Bürde drückt eine Person nach unten, somit ist der Satz `The burden was pressing down on him´ (Boers 1996: 82) eine reine Übertragung einer physischen Last auf eine im psychologischen Sinn verstandene.
Ein weiteres typisches Schema ist das MORE IS UP; LESS IS DOWN, das man auch immer auf den Status ausdehnen kann, ein hoher Status entspricht UP, ein niedriger dagegen DOWN. Dies wurde auch schon unter 6.3.1. kurz angesprochen. Z.B. „As one goes down the social ladder.“ (Boers 1996: 83) Der Ausdruck die soziale Leiter hinabsteigen hat mit dem niederen Status der sozialen Unterschicht zu tun, d.h. weniger Geld = weniger Status.
Auch in der metaphorischen Begrifflichkeit von down gibt es verschiedene weitere Bedeutungen:  
- „Down on earth“ (Boers 1996: 84) FANTASY IS UP; REALITY IS DOWN
Die Präposition down wird auch im Zusammenhang mit einem gleichmäßigen Absinken eines Gegenstandes verwendet. „The airplane came down.“ Boers 1996: 85) Hier wird das langsame, gleichmäßige Absinken des Flugzeugs (trajector) zwischen zwei landmarks beschrieben. DOWN wird im Bereich von Hierarchien verwendet, wie z.B. in „He looks down upon his employees.“ (Boers 1996: 86) Das Hinabblicken signalisiert hier eine abschätzige Betrachtung der Angestellten und gleichzeitig ein Anheben der eigenen Position.
Die Sichtweise der Menschen determiniert oft deren Bezug auf ein Objekt:
- Der Norden als UP; der Süden als DOWN: „Up and down the country“ (Boers 1996: 87)
- Ein Strom fließt abwärts (DOWN): „We sailed down the river“ (Boers 1996: 86)
- Das Stadtzentrum, da oft an der Küste gelegen wird als DOWN empfunden: „We went
down town“ (Boers 1996: 87) Aus dieser Metapher ist wohl der amerikanische Begriff der downtown entstanden, ein Wort, das Stadtzentrum bedeutet.
Die Wahrnehmung ist stark verbunden mit dem Verstehensprozeß, dies setzt drei Gesichtspunkte voraus:
a) die Zeit ist eine lineare Skala
b) hoher Status ist UP; niederer ist DOWN
c) das Gesamtbild ist wichtiger als seine einzelnen Bestandteile
„She can ride all horses, from the tallest stallion down to the smallest pony.“ (Boers 1996: 89) Die drei oben genannten Punkte werden hier alle berücksichtigt.

Der reflexive Sinn der Präposition down meint eine Bewegung, bei der sich der trajector auf die landmark zubewegt oder die landmark eine etwas seitliche und dann nach unten gerichtete Bewegung vollzieht.
„He sat down“ (Boers 1996: 90)

.  .  .
.  .  .                                               
.  .  .
v  v  v
xxxxx
(Boers 1996: 91)
Ferner kann die Präposition down dazu benutzt werden, ein Ende der Mobilität, eine Einschränkung, eine Inaktivität oder ein Beenden (The shop closed down.) auszudrücken.

 

Abschließend soll zu den Präpositionen below, beneath, down, under und underneath gesagt werden, daß sie alle einen Zustand beschreiben, der im Deutschen mit unter oder unterhalb übersetzt werden kann.
Down wird vor allem dynamisch verwendet. Statische Beziehungen konzentrieren sich auf Lagen der trajectors und verwenden eine klar erkennbare landmark als Referenzpunkt. Dynamische Beziehungen konzentrieren sich auf die Bewegungen eines trajectors entlang eines paths. Die Lage dieses paths kann als vage oder irrelevant gewertet werden.

6.3.4. Above

Above (= über / oberhalb) ist sozusagen das Spiegelbild von below (= unter / unterhalb). Im MORE IS UP; LESS IS DOWN-Schema beschreibt diese Präposition beispielsweise Zustände, die mit der landmark in Beziehung stehen; dies ist der Fall bei Begriffen aus der Finanzwelt („Sales tax is above 20%“ (Boers 1996: 105)), der Temperatur, der Zeit und des Klanges. Mit above wird ferner auf weiter oben im Text stehende Punkte verwiesen.

6.3.5. Over

Die Präposition over ist ins Deutsche mit über und bedeutungsverwandten Präpositionen  zu übersetzen, sie ist sehr häufig.

Abgesehen von den oben gezeigten Möglichkeiten von over, wird auch diese Präposition wieder im übertragenen Sinn gebraucht.
„Linguistic action is motion over a path“ (Boers 1996: 118) Die linguistische Handlung kann als Bewegung über eine Entscheidungsmöglichkeit, ein Problem oder eine Schwierigkeit angesehen werden: „Talking over problems“ (Boers 1996: 118). Boers führt weitere metaphorische Verwendungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit over an:
- Kognitive Aktionen sind Bewegungen über eine Weg: „Think it over, Harry“ (Boers
1996: 120)
- Das Leben als Reise: „You made me angry but I’m over that now“ (Boers 1996: 120)
Die Zeit zwischen dem Verärgertsein und dem Darüberhinwegkommen wird als eine
überwundene Strecke angesehen.
- Eine Transaktion ist ein Weg: „He handed over a briefcase“ (Boers 1996: 122)
- Die Zeit ist ein Pfad, auf dem wir uns bewegen: „He stayed in Oxford over Christmas“
(Boers 1996: 122) Ähnlich wie bei dem Punkt `Das Leben ist eine Reise´ wird auch hier
über einen Zeitraum gesprochen, über den man hinweg ist.

Over wird jedoch nicht nur in diesem dynamischen Kontext verwendet, sondern auch im statischen, bei dem ein Objekt ein anderes bedeckt. Im metaphorischen Bereich kann dieses Bild nun auch wieder übernommen werden:
- Die Wahrheit ist ein verborgenes Objekt: „An idyllic quality which hazes over the
sharp reality“ (Boers 1996: 126) Die negative Wirklichkeit wird hier von einem positiven
Bild überdeckt.
- Das Betreffende berührt: „It spread over all social classes“ (Boers 1996: 127)
- Das Schicksal: „The witch cast a spell over me“ (Boers 1996: 128) Das Schicksal wird
mit einer Wolke assoziiert, die über einem schwebt.
Over kann also in vielen metaphorischen Zusammenhängen verwendet werden. Oberhalb einer horizontalen Achse wird hierbei etwas ausgebreitet oder etwas über etwas anderes gelegt. Man kann somit sagen, daß das ursprünglich OVER-UNDER-image schema ein neues Bedeutungsfeld erhält, aber im übertragenen Sinn wieder ähnliche Bedeckungsverhältnisse ausdrückt.

 

6.3.6. Up

Die Präposition up beschreibt normalerweise dynamische Beziehungen, die man in zwei Gruppen unterteilen kann; die einen gehen vertikal nach oben, die anderen sind eher auf ein Ziel ausgerichtet, das nichts mit Vertikalität zu tun hat.
Als metaphorische Bedeutungen von up könnte man nennen:
- Aktivitäten, Einstellungen, Qualitäten und Ideen sind physikalische Objekte und damit
wird bei ihnen auch der physikalische Prozeß des Aufnehmens verwendet und somit die
Präposition up. „He took up his fresh post as Ambassador“ (Boers 1996: 140)
- Dem Zwang nicht aushalten zu können ist DOWN „He gave up his job as a teacher“
(Boers 1996: 141)
- Mehr ist UP, weniger ist DOWN „Profits went up by 5%“ (Boers 1996: 142) Dieses
Schema wurde schon beschrieben.
- Hoher Status ist UP; niederer Status ist DOWN. Auch dieses Schema wurde schon
beschrieben.

Eine weitere Idee ist die des graduellen Anstiegs. Oft dient ein Ziel als eine zweite landmark; up kann somit auch einen zielorientierten Sinn haben. „She smiled up at me“ (Boers 1996: 149) In diesem Beispiel geht es um die Blickrichtung in Richtung des Sprechers. Aber auch neben dieser Bedeutung von up (des graduellen Anstiegs) gibt es weitere metaphorische Bedeutungen:
- Das Leben als eine Reise (und die Schwierigkeiten als Hindernisse): „We went up and
down the country“ (Boers 1996: 151) Der Norden wird mit up, der Süden mit down be- 
zeichnet.
- Die linguistische Aktion als ein Pfad: „The argument up to this point...“ (Boers 1996:
152) Hier wird das Argument bis zu diesem Punkt beispielsweise zusammengefaßt.
- Die Zeit als eine lineare Skala, also ist die Zeit ein Pfad: „Up to now“ (Boers 1996: 152) 
Diese Liste könnte noch um Punkte ergänzt werden, hier sollen nur einige kurz genannt werden: Die Zeit als ein bewegtes Objekt, ein Wettbewerb als Rennen, das Gute steht oben (up), Macht und Kraft zu haben ist up.
Bezogen auf den Menschen und den Körper sind einige Dinge up: Reife, Aktivität, Bewußtsein, Glück, ein hoher Status, Gutsein; deren Gegenteil wäre down.

6.3.7. Das UP-DOWN-Schema

Zusammenfassend kann man sagen, daß die Präpositionen above, over und up positiv betrachtet werden, below, beneath, down, under und underneath dagegen negativ.

6.3.8. Bedeutungen anderer Präpositionen

Außer der UP-DOWN-Achse gibt es auch noch unter anderem die BACK-FRONT-Achse. Präpositionen wie behind, beyond und after (zeitlich) werden meist mit negativen Vorstellungen assoziiert, before (zeitlich) und in front of (räumlich) mit positiven.

Metaphorisch betrachtet können auch die Präpositionen der BACK-FRONT-Achse übertragen benutzt werden. Der trajector steht per Definition im Vordergrund und ist daher gut erkennbar. Bei der landmark ist dies nicht der Fall, somit steht sie im Hintergrund und kann nicht genau wahrgenommen werden. Man kann nun folgende Assoziationen aufzeigen: SEEING IS KNOWING; UNSEEN IS UNKNOWN. Der gesehene trajector wird also mit positivem, die ungesehene landmark mit negativem assoziiert.
Weitere Präpositionen und ihre möglichen metaphorischen Bedeutungen sollen hier nun kurz aufgezeigt werden:
* beyond: Unerreichbarkeit, außerhalb einer Grenze sein, eine verborgene Wahrheit,
Zeitablauf, Nachvornebewegen
* after: Ziele, sich kümmern um, Beispielhaftes, Wiederholungen
* before: das Wichtige zu erst, Verletzlichkeit
* in front of: Wettbewerb in einem Rennen

7.Schluss

Wie in anderen Sprachen haben Präpositionen nicht nur ihre ursprünglichen Bedeutungen, sondern auch metaphorische. An Hand verschiedener Beispiele wurde aufgezeigt, welche abstrakten Begrifflichkeiten von Präpositionen ausgedrückt werden können. Es wurde immer von einer konkret verwendeten Präposition ausgegangen, danach wurde diese übertragen. Lasten die auf Personen drücken, werden so beschrieben, als seien sie Gegenstände, die auf ein Person drücken. Die Wahrheit, die unter einer Lüge verborgen ist, wird so dargestellt, als verdecke ein Gegenstand einen anderen. Erst diese Übertragung der konkreten auf die abstrakten Gedankengänge ermöglicht uns ein abstraktes Denken. Dinge, die wir nicht sehen können, können wir auf diese Weise begreifen und benutzen.  

8.Bibliographieangaben

8.1. Primärliteratur:

Alexander, L. G.. Longman English Grammar. London / New York: Longman, 1988.

Sinclair, John. Collins Cobuild English Grammar. London: William Collins Sons & Co Ltd, 1990.

Cowie, A. P. Oxford Dictionary of Phrasal Verbs Vol.1. Oxford: Oxford University Press, 1993.

Quirk, Randolph, et al. A Comprehensive Grammar of the English Language. London: Longman, 1985.

 

8.2. Sekundärliteratur:

Boers, Frank. Spatial Prepositions and Metaphor. Tübingen: Narr, 1996.
Bußmann, Hadumod. Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart: Körner, 1990.

Herbst, Thomas, und Stoll, Rita, und Westermayr, Rudolf. Terminologie der Sprachbeschreibung. Ismaning: Max Hueber Verlag, 1991.

Radden, Günter. „Spatial Metaphores Underlying Prepositions of Causality.“ L.A.U.T. 114 (1983): 1-15.

Ungerer, Friedrich, und Schmid, Hans-Jörg. An Introduction to Cognitive Linguistics. New York: Addison Wesley Longman, 1996.

Wollmann, Alfred. Präpositionalphrasen im Englischen. Tübingen: Narr, 1996.

9.Anhang


Um einen kurzen Einblick in die Vielfältigkeit der Präpositionen zu gewähren sollen diese hier nun kurz aufgelistet werden - auf Grund der Vielzahl der Präpositionen kann diese Liste nicht vollständig sein; sie sind nach der Anzahl der Teile ausgewählt und CGEL, 665 entnommen:

einteilige Präpositionen:

as, at, but, by, down, for, from, in, like, near (to), of, off, on, out, past, per, pro, qua, re, round, sans, since, than, through, till, to, up, via, with,
about, above, across, after, against, along, amid(st), among(st), anti, around, atop, before, behind, below, beneath, beside, besides, between, beyond, circa, despite, during, except, inside, into, notwithstanding, onto, opposite, outside, over, pace, pending, throughout, toward(s), under, underneath, unlike, until, upon, versus, vis-à-vis, within, without.

zweiteilige Präpositionen:

up against, as per, as for, but for, except for, but for, apart from, aside from, away from, as from, ahead of, as of, back of, because of, devoid of, exclusive of, inside of, instead of, irrespect of, off of, out of, outside of, regardless of, upwards of, void of, according to, as to, close to, contrary to, due to, near(er) to, next to, on to, owing to, preliminary to, preparatory to, previous to, prior to, pursuant to, subsequent to, thanks to, up to, along with, together with.

dreiteilige Präpositionen:

in aid of, in back of, in behalf of, in case of, in charge of, in consequence of, in (the) face of, in favour of, in front of, in (the) light of, in lieu of, in need of, in place of, in (the) process of, in quest of, in respect of, in search of, in spite of, in view of, in accordance with, in common with, in comparison with, in compliance with, in conformity with, in contact with, in line with, by dint of, by means of, by virtue of, by way of, on account of, on behalf of, on (the) ground(s) of, on the matter of, on pain of, on the part of, on the strength of, on top of, as far as, at variance with, at the expense of, at the hands of, for (the) sake of, for/from want of, in exchange for, in return for, in addition to, in relation to, with/in regard to, with/in reference to, with/in respect to, with the exception of.

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

    


 

 

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