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Chinesisch: Indirektheit

 

Indirektheit


Indirektheit als gesichtsschonende Strategie zur Höflichkeit


Unter dem Einfluss von Konfuzianismus und Liji als Lehre der chinesischen traditionellen Etikette, die die zentrale Bedeutung für menschliche Beziehung in China gewinnen, ist ein grundlegendes Ziel der chinesischen zwischenmenschlichen Kommunikation und der sozialen Harmonie, die durch Konfliktvermeidung, durch Zustimmung oder durch gesichtswahrende Strategien zu erreichen sind.

Chinesisches ‚Gesicht’ - Konzept
In face-face-Interaktionen strebt jede Interagierende nach der Identitätsherstellung, die primär die Bildung und Wahrung des Gesichts gelingt. Aufgrund möglicher Bedrohungen des eigenen oder fremden Gesichts können die Interaktionspartner durch ‚face-work’-Techniken das eigene Gesicht und das des Gegenübers wahren.
Das ausgeprägte soziale Harmoniebedürfnis in China verlangt das Bestreben der Chinesen nach ‚Gesichtswahren’. Der Sprecher vermeidet in der Interaktion die direkte und offene Konfrontation zum Gegenüber, gibt indirekt dem Gegenüber notwendige Hinweise und die Ansicht des Gegenübers während der Konflikt anerkennt, um das Gesicht des Gegenübers zu wahren. Das ‚Gesicht’ – Konzept, das Europäer für komplizierte und frustriert halten, besitzt einen hohen Stellenwert im chinesischen zwischenmenschlichen Umgang. Die gesichtsbezogene Beziehungsarbeit in China ist gemäß entsprechender kommunikativer Situationen sehr fein ausdifferenziert. In der chinesischen Sprache wird ‚Gesicht‘ durch lian 脸 und mian zi 面子ausgedrückt.
Zu der Fehlleistung oder missbilligten Handlung des Gegenübers sollte der Sprecher die öffentliche Kritik oder die direkte Konfrontation vermeiden, um dem Gegenüber sein ‚Gesicht zu lassen’, d.h. einerseits, um seinen Ruf oder sein soziales Prestige zu wahren, andererseits um ihm eine Chance zur Selbstkorrektur und Selbstverbesserung zu bieten.

Direkt:
Wo keyi zuozai shafa shang ma? 我可以坐到沙发上吗?
Darf ich mich dort auf das Sofa hinsetzen?

Im Gegensatz zu ‚Konventionalisierter Indirektheit’ ohne konventionelle Implikatur ist ‚Nichtkonventionalisierte Indirektheit’ kontextabhängig. Die Sprechabsicht ist durch die Interpretationsverfahren anzudeuten. z. B.:

Jintian zhenshi tai re le! Yaoshi lai ge bingqilin jiu haole. Keshi wo mei dai qian.
今天真是太热了!要是来个冰淇淋就好了.可是我没带钱。
Es ist heute so heiß! Es wäre toll, wenn ich jetzt eine Eiscreme haben würde. Aber ich habe keine Cola dabei.

Der Sprecher im Beispiel gibt dem Gegenüber durch den Gesprächskontext den Hinweis auf „Geldleihen“. Die eigentliche Sprechabsicht „Geldleihen“ wird nicht ausgedrückt, sondern in der Interpretation verborgen.